Klassenarbeiten konzipierenYour 8-step guide to designing a clever classtest

Sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler brauchen Klassenarbeiten und Klausuren als Meilensteine. Die einen, um zu wissen, wo sie stehen. Die anderen, um den weiteren Unterricht sinnvoll planen zu können und Noten zu ermitteln. Wie Sie in 8 Schritten eine aussagekräftige Klassenarbeit konzipieren, zeigen wir Ihnen hier.

Klassenarbeit mit vielen Fehlern

Klassenarbeiten geben Lernenden Rückmeldung über ihren Lernstand und tragen zur Note bei. Deshalb müssen sie gut konzipiert sein Foto: Anne Karakash auf Pixabay

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Eine gute Klassenarbeit geht aus dem vorangegangenen Unterricht hervor und hat einen positiven backwash-Effekt auf den folgenden Unterricht. Gut vorbereitete Klassenarbeiten geben den Lernenden die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen – und lassen Sie die Früchte Ihrer Arbeit ernten. Wie Sie eine aussagekräftige Klassenarbeit konzipieren, erläutern wir in 8 Schritten. Wir sagen auch, was Sie am Prüfungstag beachten sollten und wie Sie die Ergebnisse auswerten sollten.

Schritt 1: Inhalte und zu Prüfendes festlegen

Entscheiden Sie, welche Kompetenzen, Teilkompetenzen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse Sie überprüfen sollen. Dabei sollen sich alle Prüfungsteile auf ein gemeinsames übergeordnetes Thema beziehen. Gibt es die Möglichkeit, die Klassenarbeit in der Fachschaft gemeinsam zu konzipieren? Entscheiden Sie, wie viele Prüfungsteile die Klassenarbeit haben soll. In der Regel sind dies zwei bis drei hierarchisch angeordnete Prüfungsteile. Diese sollen entweder eine rezeptive, reproduktive oder interaktive Sprachbeherrschung einfordern.

Schritt 2: Aufgaben formulieren

Formulieren Sie die Aufgaben konkret. Bringen Sie die Aufgaben in eine Reihenfolge. Schätzen Sie ein, wieviel Zeit die Lernenden für die Bearbeitung realistischerweise benötigen. Entscheiden Sie ferner, welche Hilfsmittel zulässig sind (Wörterbücher? Ein- oder zweisprachig? Notizen aus dem vorangegangenen Unterricht?). Formulieren Sie die Aufgaben so knapp wie möglich. So verhindern Sie, dass für die Lernenden wertvolle Bearbeitungszeit darauf verfließt, erst einmal zu verstehen, was sie machen sollen. Nutzen Sie Hauptsätze in den Formulierungen. Verwenden Sie eine neue Zeile für einen neuen Satz. Nummerieren Sie Teilaufgaben durch. Seien Sie konsistent: Verwenden Sie – in Klassenarbeiten und im übrigen Unterricht – immer dieselbe Formulierung für eine bestimmte Aufgabe. Nutzen Sie Operatoren.

Legen Sie die Aufgabenstellungen einer Kollegin oder einem Kollegen vor. Diese/r überprüft dann, ob die Formulierungen klar, eindeutig und verständlich sind.

Schritt 3: Erwartungshorizont erstellen

Lösen Sie Ihre eigenen Aufgaben einmal selbst: Was würden Sie als Antwort schreiben? Erstellen Sie daraus einen Erwartungshorizont für inhaltliche Leistungen. Bepunkten Sie die einzelnen Aufgaben nach Umfang und  Schwierigkeitsgrad. Legen Sie dann den Bewertungsschlüssel fest: Wie werden die erreichbaren Punkte zu den einzelnen Noten zugeordnet? Dieses Raster machen Sie den Lernenden bei der Rückgabe der Arbeit transparent. Wo liegt in Ihrem Bundesland/ an Ihrer Schule der Schwellenwert: Was ist noch eine ausreichende Leistung (Note 4)? Welche Sonderpunkte können Sie für kreative Leistungen vergeben?

Schritt 4: Für eine positive Prüfungsatmosphäre sorgen

Achten Sie darauf, dass am Prüfungstag eine positive Prüfungsatmosphäre herrscht und die äußeren Bedingungen stimmen: Sind Hilfsmittel für alle Lernenden vorhanden? Uhr im Blick? Lärmpegel runtergeregelt?

Um unnötige (Rechtschreib-)Fehler in den Klassenarbeiten zu minimieren, kann man gegebenenfalls eine peer feedback-Phase einplanen. Dazu tauschen die Lernenden ihre Arbeiten untereinander aus und korrigieren gegenseitig ihre Rechtschreibfehler.


 

Klassenarbeiten und Klausuren

In diesem Heft wird an konkreten Beispielen gezeigt, wie man Klassenarbeiten und Klausuren richtig konzipiert – und damit sogar das Weiterlernen fördert:


Klassenarbeiten und Klausuren

Unterricht Englisch Nr. 133/2015

 


Schritt 5: Korrigieren

Korrigieren Sie die Klassenarbeit so schnell wie möglich – Ihre Klasse wartet auf Rückmeldung. Der zur Verfügung stehende Zeitrahmen ist in jedem Bundesland vorgegeben. Verfassen Sie individuelle Rückmeldungen an die Schülerinnen und Schüler. Achten Sie auf die Art und Diktion des Feedbacks: Es sollte eine Positivkorrektur stattfinden und Empfehlungen zur Beseitigung der Defizite ausgesprochen werden. Es empfiehlt sich, dafür eine Datei mit Textbausteinen anzulegen, die Sie immer wieder verwenden können. Loben Sie auch Gelungenes – zum Beispiel miteiner von 25 Möglichkeiten, das Alltagswort great! präziser zu fassen.

Wenn KollegInnen dieselbe Arbeit in ihren Klassen schreiben lassen, sollten Sie auch gemeinsam bewerten. Wie Sie diese Fehler in Lerngelegenheiten ummünzen können, ohne im Korrekturwahn zu versinken, erfahren Sie hier.

Und last but not least: Wie Sie ohne Ablenkung, Prokrastination und Verzweiflung durch zwei Stapel mit jeweils 30 Schülerarbeiten kommen, dazu hält Jochen Lüders ein paar Tipps bereit.

Schritt 6: Arbeiten zurückgeben

Geben Sie die korrigierten Arbeiten an die Lernenden zurück und ermuntern diese zur Manöverkritik. Verbindliche Berichtigungsverfahren müssen eingehalten werden. Seien Sie positiv und stärken sie das Selbstkonzept der Lernenden. Selbstverständlich können zu jeder Klassenarbeit passende Rückmeldebögen erstellt werden. Dort notieren Sie die einzelnen erbrachten Leistungen eines Lernenden und kommentieren diese. Sprechen Sie individuelle Empfehlungen für die Beseitigung von Lerndefiziten aus. Die Lernenden heften diese Rückmeldungen im Portfolio oder English folder ab.

Schritt 7: Anschließenden Unterricht planen

Wenn die Klassenarbeit größere Defizite in der Klasse ans Tageslicht gebracht hat: Planen Sie zwei bis drei Stunden ein, um an diesen zu arbeiten. Etablieren Sie dafür Phasen kooperatives Lernens, Tutorenkonzepte und Helfersysteme im Klassenzimmer.

Schritt 8: Beratungsgespräche führen, Lernverträge schließen

Führen Sie im Bedarfsfall individuelle Beratungsgespräche mit einzelnen Schülerinnen oder Schülern, z.B. in einer Schülersprechstunde oder einem Schülersprechtag. Erstellen Sie gemeinsam mit diesen und gegebenenfalls auch mit deren Eltern einen Lernvertrag. Dieser Vertrag hält Maßnahmen fest, mit denen die Lernenden planen, ihre Leistungen zu verbessern.

Mehr dazu

Klassenarbeiten und Klausuren – wie oft werden diese Leistungsüberprüfungen von Lehrenden und Lernenden nur als notwendiges Übel im Schulalltag gesehen. Dabei sind es wichtige Meilensteine im Lernprozess, die für beide Seiten aufschlussreiche Informationen liefern – und das Weiterlernen fördern können. Ausgabe 133 des Fremdsprachlichen Unterricht Englisch zeigt an Beispielarbeiten, wie das geht.


Literatur

Dieser Beitrag beruht auf Werner Kieweg (2015): „Generierung einer Klassenarbeit: Planung – Durchführung – Nacharbeit“. In: Der Fremdsprachliche Unterricht Englisch, Ausgabe 133 [Klassenarbeiten und Klausuren]. 10. https://www.friedrich-verlag.de/shop/klassenarbeiten-und-klausuren

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