Demokratie-ErziehungWe’re going to be the last shooting

Keinen einzigen toten Schüler, keine einzige tote Lehrerin mehr – Amokläufe in Schulen (und andernorts) könnten der Vergangenheit angehören, wenn in den USA der Zugang zu Waffen eingeschränkt würde. Eine Jugendbewegung kämpft mit den Mitteln der digital natives für eine neue Waffengesetzgebung. Die Schüler analysieren die überwältigenden Reden der Aktivisten, informieren sich aus Dokumentarfilmen und erarbeiten Vorschläge, wie man auf die Situation aufmerksam machen und wie sie verändern könnte.

March for our Lives-Demonstrantinnenmit Plakaten

Das Recht auf eine Waffe vs. das Recht auf Leben - Überlebende eines Amoklaufes haben eine Jugendbewegung angestoßen, die eine neue Waffengesetzgebung in den USA einfordert. Foto: Spiro Bolos/flickr CC BY-SA 2.0

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Die USA haben es jetzt schon oft erlebt. Zu oft: Ein Schüler betritt seine Schule mit einer Waffe in der Hand und erschießt mehr oder weniger wahllos Lehrer und Mitschüler. Panik bricht aus, tote, verletzte oder für ihr Leben traumatisierte Jugendliche bleiben zurück. Das ist schon so häufig passiert, dass in vielen Schulen ein gezieltes Amoklauf-Training stattfindet (lockdown drill). Die Schüler wissen jetzt, dass sie die Türen verbarrikadieren und sich von den Fenstern fernhalten, sich auf den Boden legen und das Licht ausschalten müssen. Eine Notfall-Simulation, das für die Schüler der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland, Florida, diesen Februar erschreckende Realität geworden ist: Ein Ex-Schüler erschoss 14 Mitschüler und drei Erwachsene mit einem halbautomatischen Gewehr – und so wurden weitere 17 Menschen Teil der killed in school shooting-Stastistik. Die üblichen Betroffenheitsbekundungen von Politik und Medien folgten. Präsident Trump sprach sich dafür aus, dass Lehrer in Zukunft bewaffnet in den Unterricht gehen sollten.

Gun control now!

Doch halt. All dies wäre gar nicht nötig, wenn die US-Amerikaner nicht mehr so ohne weiteres Waffen kaufen und verwenden könnten als wären es Gartenschläuche. Dieser Gedanke, so häufig geäußert wie bislang politisch wirkungslos, ist jetzt die Basis einer neuen politischen Jugendbewegung. „We’re going to be the last shooting”, kündigt Emma González an, die 18-jährige Mitgründerin der #NeverAgain-Bewegung und Überlebende des Amoklaufes an der Marjory Stoneman Douglas Highschool. Sie und vier ihrer Mitschüler, die Teil einer Generation sind, die Social Media-Kompetenzen mit der Muttermilch eingesogen hat, sind vielleicht diejenigen, die es mit ihren Kampagnen und bewegenden öffentlichen Auftritten schaffen, die Waffengesetzgebung in den USA zu ändern. Sie wissen, wie Forderungen viral werden, wie man per Twitter und Facebook einen March for our Lives in Washington D.C: mobilisiert und koordiniert oder die Presse für ihre Zwecke einspannt. Und: “As children, we’re good at being loud and demanding attention. No one is allowed to ignore this [issue] anymore.”, sagt Emma. Ihre aufrüttelnden Rede „We call BS“ direkt nach dem Amoklauf oder ihr Auftritt beim March for our Lives, der aus viereinhalb Minuten Schweigen bestand – so lange wie der Amoklauf dauerte – sind jetzt schon ikonische Momente der Zeitgeschichte.

Erste Erfolge

Wer Waffen kaufen darf, sollte sich zuvor nichts zuschulden kommen lassen haben. Automatische Waffen mit high-capacity magazines sollten ganz verboten werden – noch hat die amerikanische Regierung nicht auf die Forderungen der Jugendlichen reagiert. Jared Moskowitz, demokratischer Abgeordneter im Florida House of Representatives, hat seine Kollegen in Florida zumindest überzeugt, das Waffenbesitzalter auf 21 Jahre hochzusetzen. Außerdem hat er den Schülern das amerikanische Gesetzgebungsverfahren erläutert, “so they [could] take the experience here in Tallahassee and try to replicate it in other places,” sagt er.

Nächste Schritte

Die nächste Herausforderung: Das Interesse am Thema wachhalten. Die Initiatoren von #NeverAgain verbringen ihren Sommer damit, in den ganzen USA öffentlich aufzutreten und vor allem junge Amerikaner in ihr Anliegen einzubinden. Immerhin werden zum Zeitpunkt der nächsten midterm elections im November 2018 weitere vier Millionen Amerikaner 18 Jahre alt und damit wahlberechtigt. Diese midterm elections gelten als Stimmungsbild der Politik des Präsidenten.

Thema gun control im Unterricht

Die Einstellung der US-Amerikaner zu Waffen und Waffenbesitz und Bemühung um gun control sind ein klassisches Thema im Englischunterricht. In geeigneten tasks recherchieren die Schüler die historischen Hintergründe der amerikanischen Waffenvernarrtheit und vergleichen sie mit der Haltung zum Waffenbesitz in anderen Ländern. Der Dokumentarfilm Bowling for Columbine (https://youtu.be/JZ7TxQV2Cuw) von Michael Moore eignet sich nach wie vor als Informationsbasis. Die Schüler gleichen dann Ergebnisse und Argumente in verschiedenen Debatten-Formen ab wie z.B. der strukturierten Kontroverse oder in einer Talkshow oder als fishbowl discussion zwischen Vertretern der National Rifle Association, dem Präsidenten, den Eltern von Schülern einer Schule, an der es einen Amoklauf gegeben hat und anderen mehr.

Neuer didaktischer Zugriff

Das Vorbild von Emma und ihren Freunden erlaubt jedoch einen neuen take auf das Thema. Zum einen sind Emmas Reden neuartige Beispiele der politischen Rede, deren Aufbau und rhetorische Mittel sich zu analysieren lohnen. Zum anderen könnten Oberstufenschüler ab Klasse 10 Ideen sammeln, welche Maßnahmen und Aktionen die #NeverAgain-Bewegung noch planen könnten, und sie mit der Arbeit der Bewegung vergleichen. Ihre Ideen können sie den gleichaltrigen Aktivisten auch direkt mitteilen.

Quelle: https://www.fastcompany.com/40572023/parkland-students-march-for-our-lives-most-creative-people-2018


Materialien und Diskussionsformate, z.B. Szenariomethode, Betzavta-Methode, Dilemma-Methode, strukturierte Kontroverse, panel discussion 

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