Lerntechnik VisualisierungVisualise it! How to better understand and remember things by visualising them

Visualisierungen sind eine effiziente Lerntechnik, die sich leicht erlernen lässt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Informationen oder Wortschatz systematisieren und besser merken, Sachtexte erschließen oder literarische Texte verstehen. Sie unterstützen auch Präsentationen und das Schreiben eigener Texte. Ihre Kraft liegt in der Reduktion. Wie der Griff zum Stift das Englischlernen erleichtert, zeigen wir Ihnen hier.

Visualisierung

Visualisierungen systematisieren, stellen Beziehungen her und machen Inhalte einsichtig - eine effiziente Lerntechnik Foto: Sergey Nivens – shutterstock.com

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Kennen Sie das sogenannte zebra puzzle? Es geht so: In fünf Nachbarhäusern wohnen Menschen mit jeweils fünf unterschiedlichen Nationalitäten, Lieblingsgetränken, Lieblingssüßigkeiten und Haustieren.

  1. There are five houses.
  2. The Englishman lives in the red house.
  3. The Spaniard owns the dog.
  4. Coffee is served in the green house.
  5. The Ukrainian drinks tea.
  6. The green house is immediately to the right of the pink house.
  7. The person who loves jelly beans owns snails.
  8. Three bags of crisps are eaten in the yellow house each night.
  9. Milk is drunk in the middle house.
  10. The Norwegian lives in the first house.
  11. The man who dotes on chocolate lives in the house next to the man with the fox.
  12. Crisps are eaten in the house next to the house where the horse is kept.
  13. The ice cream lover also loves to drink orange juice.
  14. The Japanese eats cookies.
  15. The Norwegian lives next to the blue house.

Now, who drinks water? Who owns the zebra?

Ein Griff zum Stift und eine kleine Skizze helfen, diesem Logikrätsel auf die Schliche zu kommen. Hier finden Sie des Rätsels Lösung und das Rätsel selbst auf einem Arbeitsblatt für Schüler – vielleicht wäre das ja etwas für eine Vertretungsstunde oder für eine Einführungsstunde zum Thema Visualisierungen und Lerntechnik.

Das können Visualisierungen

Denn Visualisierungen veranschaulichen Sachverhalte, stellen Beziehungen her und trennen das Wesentliche vom Unwesentlichen. So schaffen sie Ordnung in Sachinformationen oder verschaffen Orientierung in literarischen Texten oder Filmen. Sie unterscheiden sich im Grad ihrer Komplexität: Von schnellen Skizzen über mind maps und clusters, Lernlandkarten bzw. advance organizers, Fluss-, Sequenz- und andere Diagrammen bis hin zu Erklärvideos, Infografiken, Zeitleisten, 3D-Modelle oder Karten. Allen ist gemeinsam, dass sie sofort einsichtig sind, wenn man sie zu lesen und zu versprachlichen gelernt hat.

Visualisierungen als Lerntechnik

Als Lerntechnik unterstützen Visualisierungen Lernprozesse im Englischunterricht: Sie erleichtern es, Informationen aus Sachtexten zu entnehmen und zu strukturieren und sich Inhalte besser zu merken. Sie legen die Argumentationslogik und typische Struktur von Texten offen oder helfen beim Lesen von literarischen Texten, zeitliche oder kausale Beziehungen zwischen den Ereignissen, Figurenkonstellationen und Handlungsorten oder Ursache-Wirkungsketten zu verstehen. Sie dienen dazu, Wissen abzurufen oder zu dokumentieren. Egal ob per Hand gezeichnet oder digital erstellt – mit einem Repertoire an Visualisierungsformen können Lernende ihre Lernprozesse steuern.  Produktiv verwendet bilden sie die Hilfsgerüste für Schreibprozesse oder Präsentationen.

Wie Schüler mit Visualisierungen arbeiten können

7 Unterrichtsmodelle mit passenden Materialien zeigen in der neue Ausgabe des Fremdsprachlichen Unterricht Englisch, in welchen Zusammenhängen man alles mit Visualisierungen arbeiten kann und wie viele unterschiedliche Typen von hilfreichen Visualisierungen es gibt. Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schüler ein Repertoire an Visualisierungstechniken aufbauen, aus dem sie dann für ihren individuellen Lernprozess gezielt auswählen können.

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Mehr Logikrätsel

 

Arbeit mit literarischen Texten

In einem character poster visualisieren die Lernenden eine literarische Figur: In einem vergrößerten Umriss der Figur und außen herum notieren sie Hintergrundinformationen, äußere Merkmale, Charaktereigenschaften, aussagekräftige Zitate etc., die sie während der Textlektüre sammeln: Was erfahren wir über die Figur durch ihr Handeln, ihre Äußerungen, ihre Gedanken und Gefühle? Was treibt die Figur an, welche Konflikte trägt sie in sich? Wie sehen andere Figuren sie? So identifizieren, ordnen und kategorisieren die Lernenden Textinformationen, setzen sie in Beziehung zueinander, lesen „zwischen den Zeilen“ und füllen Leerstellen im Text.

Die Analyse fiktionaler Texte wie Dramen, Romane, Kurzgeschichten oder Filme beinhaltet meist die Untersuchung des Spannungsbogens und seiner Wirkung auf die Rezipienten. Die lebendige Skizze des Spannungsbogens, die mit der line of usPINS-Methodeper Stecknadel und Faden entsteht, lässt unkompliziert ändern, so dass Diskussionsergebnisse schnell visualisiert werden können.

Ebenso kann der Handlungsort eines fiktionalen Texten veranschaulicht werden: Auf der Grundlage des Dramas Chatroom von Enda Walsh (2005) und ihren eigenen mentalen Modellen visualisieren die Schülerinnen und Schüler ein mögliches Bühnenbild für das Drama in einem 3-D Modell – ähnlich wie das Bühnenbildner am Theater auch tun.

Sachtexte, Wortschatz und Schreiben

Ein Zoogeschäft hat einen Wettbewerb für das beste Poster ausgelobt, das seine Kunden über die Pflege von Papageien informiert. Mithilfe der Strukturlegetechnik sortieren und visualisieren Lernenden der Unterstufe Informationen eines Sachtextes zum Thema. Auf dieser Basis erstellen sie ein pet care poster, das erklärt, welche Bedürfnisse ein Papagei hat und welche Aufgaben für einen Tierbesitzer daraus erwachsen. So lernen sie eine Methode kennen, mit deren Hilfe sie in späteren Schuljahren den Inhalt von Sachtexten, ein Wortfeld oder Thema systematisieren können.

Im Abitur wird später verlangt, Informationen, Meinungen und Positionen in einem comment zusammenzuführen. In diesem schriftlichen Text sollen die Lernenden ihre Meinung äußern, argumentativ stützen, an Beispielen und Belegen erläutern und ein schlüssiges, überzeugendes Fazit daraus ziehen. Anhand einer Visualisierung machen sich die Schülerinnen und Schüler die Struktur eines linearen comments und einer Argumente abwägenden discussion klar und lernen, eine folgerichtige Argumentationslogik zu entwickeln.

Informationen sammeln und aufbereiten

Lernende der Klasse 10 drehen in 3 bis 4 Unterrichtsstunden ein explainer video zum Thema Learning together für die kommenden Fünftklässler. Es gilt, ein Thema gemeinsam auf den Punkt bringen, gestalterische Entscheidungen zu treffen und visuell umzusetzen: Im Video setzen sie sich mit kooperativen Lernformen im Englischunterricht auseinander. Ein focus on form betrachtet Modalverben, die Steigerung von Adjektiven, Adverbien und Imperative.

Amokläufe in Schulen, Unfälle mit Schusswaffen und viele andere Tote könnten der Vergangenheit angehören, wenn in den USA der Zugang zu Waffen eingeschränkt würde. Warum beharren die US-Amerikaner so auf ihr right to bear arms? Welche Folgen hat das? Welche Argumente sprechen dafür, welche dagegen? In einer Infografik mit dem online tool piktochart arbeiten die Lernenden einen Aspekt dieses komplexen Themas auf und präsentieren ihre Grafik. Dabei schulen sie ihre Visualisierungskompetenz, ihr kritisches Textverständnis und einen transparenten Umgang mit Quellen und Daten.


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Zum Weiterlesen

Wer noch mehr über die Arbeit mit Visualisierungen erfahren möchte, der sei auf folgende Literatur verwiesen:

  • Brüning, Ludger / Saum, Tobias (2017): Erfolgreich unterrichten durch Visualisieren: Die Kraft von Concept Maps & Co. Essen: NDS. Mit Vorlagen und Schülerbeispielen zum Download: Ein absolutes Grundlagenwerk mit vielen Tipps für das Unterrichten mit grafischen Strukturierungen – von word webs, Venn-Diagrammen und concept maps über Cluster, Mindmaps und Ursachenketten bis hin zu komplexen Visualisierungen und solchen mit dem Computer. Gibt Einblicke in theoretische Hintergründe und Ergebnisse aus der empirischen Unterrichtsforschung sowie Tipps zur Differenzierung, Förderung und Beurteilung von grafischen Strukturen.
  • Gretsch, Petra / Holzäpfel, Lars (Hrsg.) (2016): Lernen mit Visualisierungen: Erkenntnisse aus der Forschung und deren Implikationen für die Fachdidaktik. Münster / New York: Waxmann: Informativer Band, der Aspekte des Lernens mit Visualisierungen aus Sicht der Fachdidaktik, pädagogischen Psychologie und Visualisierungsforschung beleuchtet und in ihrer Bedeutung für Lernprozesse diskutiert. Es geht zwar nicht explizit um den Englischunterricht, aber die Tipps aus dem Deutschunterricht und der psychologischen Grundlagenforschung sind gut übertragbar.
  • Grieser-Kindel, Christin / Henseler, Roswitha / Möller, Stefan (2016a/b): Method Guide 1: Methoden für den Englischunterricht Klasse 5 – 13. und Method Guide 2: Methoden für den Englischunterricht Klasse 5 – 13. Paderborn: Schöningh: Die Method Guides stellen verschiedene Visualisierungsformen praxisnah dar, z. B. Standbilder und graphic organizers, und erläutern Methoden wie book in a box und concept mapping. Enthält Tipps zur Anwendung der Methoden und language support für Lernende.
  • Hecke, Carola / Surkamp, Carola (Hrsg.) (2015): Bilder im Fremdsprachenunterricht: Neue Ansätze, Kompetenzen und Methoden. Tübingen: Narr: Der Band beleuchtet das Potenzial der rezeptiven und produktiven Bildarbeit. Dabei geht es neben dem Bildverstehen und intermedialen Lese- und Sehkompetenzen um Visualisierungsformen wie Tafelbilder und Poster als Lehr- und Lernmedien­ sowie um bildproduktives Arbeiten und Visualisierungsaufgaben im Literaturunterricht.
  • Nückles, Matthias et al. (2004): Mind Maps & Concept Maps: Visualisieren – Organisieren – Kommunizieren. München: dtv: Schritt für Schritt erläutert der Band zwei Lern- und Arbeitstechniken zum Umgang mit Wissen. Diese dienen der Visualisierung, Organisation und Kommunikation­ von Wissen, z. B. um in individuellen und kooperativen Settings Ideen zu sammeln, Vorträge vorzubereiten, Texte zu schreiben oder Projekte zu planen.

Visualisierungen digital erstellen: Nützliche Websites

Die meisten Online-Tools bieten eine kostenlose Basisversion an, die zwar mit Einschränkungen verbunden ist, aber trotzdem eindrucksvolle Infografiken hervorbringt.

 

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