5. – 13. Schuljahr

Roswitha henseler | stefan Möller

Eine fantasy-Landkarte entwerfen

Fantasy als Genre lebt auch von aufwändig gestalteten fiktionalen Welten. Nicht selten liefern die Autoren gleich eine Landkarte ihrer Welt als Illustration mit, so dass die Leserinnen und Leser jenseits eigener Vorstellungen eine Idee von den Handlungsorten bekommen. Diese Karten geben eine räumliche Orientierung in den meist verzweigten Geschichten und erleichtern die Reise durch die fiktionale Welt. Sie erlauben es der Leserschaft, sich immer wieder schnell zu vergewissern, wo sich die Protagonisten gerade befinden, wohin sie reisen und welche Hindernisse zu überwinden sind. Andererseits sprechen sich Verfasser von fantasy novels gelegentlich auch explizit gegen ein Landkartenangebot in der Umschlagseite oder an anderer Stelle aus, um das ständige Vor- und Zurückblättern zu vermeiden und die Vorstellungskraft der Leserinnen und Leser nicht zu beeinflussen.
Der Ausgangspunkt für die Erstellung eigener Landkarten kann unterschiedlich sein. Die Schülerinnen und Schüler erstellen Karten, wenn diese im Roman fehlen, sie können Leerstellen auf vorhandenen Karten füllen oder in eine Karte ‚hineinzoomen und Details eines Landes, einer Stadt oder etwa einer Bergregion ausgestalten. Schließlich können sie aber auch alternative Szenarien zu bestehenden Karten entwickeln, um so ihr eigenes Konstrukt der fiktionalen Welt zu visualisieren.
Vorgehensweise
Das Erstellen von Landkarten kann eine anspruchsvolle Aufgabe für multi-genre papers (Grieser-Kindel/Henseler/Möller 2016:132f.), book reports oder reading journals sein und bietet künstlerisch interessierten Schülerinnen und Schülern eine kreative Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem setting des Romans. Abhängig von einfachen diagrammatischen bis zu künstlerischen Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler können die Landkarten komplett selbstständig oder teilweise bzw. ganz mit Hilfe von Kartengeneratoren erzeugt werden. Es finden sich im Internet auch Video-Tutorials, die einige verblüffend einfache und pfiffige Anregungen für die Gestaltung geben (Kasten 1).
Kasten 1: How to: Tutorials, online tools und Vorlagen für eigene Karten
Kasten 1: How to: Tutorials, online tools und Vorlagen für eigene Karten
Tutorials
  • https://www.youtube.com/watch?v=p1eo-SzLCcY ein fantasy-Fan erläutert, wie man mit Hilfe von Bohnen Kartenumrisse erstellt und geografisch plausibel mit Gebirgen, Wald und Flüssen ausgestaltet
  • http://www.fantasticmaps.com/ wie man auf einer Landkarte einen Canyon „anlegt
  • http://fantasy-maps.com/ Schritt-für-Schritt-Zeichenanleitungen eines Profis, viele Beispiele verschiedener Karten von Ländern, Städten und Kerkern
Online map drawing tools
Diese Aufgabe sollte zu Beginn der Romanbesprechung bekannt sein, so dass die Schülerinnen und Schüler von Anfang an Notizen zu den Details der Handlungsorte anfertigen können. Nach der Lektüre gleichen sie ihre Ergebnisse ab, bevor sie von dort aus weitere Überlegungen anstellen. Sie diskutieren, wie sie die Karte umsetzen wollen. Im Einzelnen entscheiden sie,
  • welche Funktion die Landkarte haben soll: Orientierung für die Leser oder kunstvolle Illustration als Ergänzung zum geschriebenen Text? Eine Übersichtskarte oder mehrere Detailkarten als Begleitung des Leseprozesses?
  • wie die Stimmung des Romans sich in der Karte widerspiegeln soll
  • in welchem Maßstab die fiktionale Welt abgebildet werden soll
  • auf welchem Material die Zeichnung angefertigt werden soll und ob das Material einem künstlichen Alterungsprozesse ausgesetzt werden soll (z.B. Einfärben weißen Papiers mit schwarzem Tee, Abflammen der Ränder, s. Kasten 1)
  • welche Beschriftungen in welchem Schrifttyp erforderlich sind
  • welche geographischen Elemente gezeigt werden sollen.
worksheet 1 🔎 erläutert den Lernenden die Vorgehensweise und hält auch eine Beispiel-Landkarte bereit (im größeren Format auf material 2), die durch weitere fantasy maps ergänzt werden sollte. Anschließend stellen sich die Lernenden ihre Ergebnisse vor und erhalten dazu language support (worksheet 3 ).
Literatur
Blando, Jared (2015): How to Draw Fantasy Art and RPG Maps. F&W Media International. Exeter.
Grieser-Kindel, Christine/Henseler, Roswitha/Möller, Stefan (2016): „Multi-genre paper (Mulitmodales Projekt) In: Method Guide 2: Methoden für den Englischunterricht 5 – 13. Paderborn: Schöningh. 132 – 138.
Gust, John (2007): Adventures in Fantasy: Lessons and Activities in Narrative and Descriptive Writing, Grades 5 – 9. San Francisco, CA: Jossey-Bass.
526151-002_14959-14902.jpg