10. – 13. Schuljahr

Michael Rogge

The haunting continues

Auf Bly Manor geht es nicht mit rechten Dingen zu: Das Haus ächzt, schemenhafte Gesichter zeigen sich am Fenster aktuelle Horrorfilme wie die TV-Serie The Haunting of Hill House arbeiten statt mit Blutrausch mit subtilem, psychologischem Horror. In einer story bible konzipieren die Lernenden eine Fortsetzung der Serie mit diesen Stilmitteln. Dazu nutzen sie Erzählstoff aus der gothic novel The Turn of the Screw, eine vielfach adaptierte Geistergeschichte von Henry James.

Eine story bible für eine Fortsetzung der TV-Serie The Haunting of Hill House konzipieren
Zwanzig Jahre nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter kehren fünf Geschwister widerwillig in das Spukhaus zurück, in dem sie aufgewachsen sind. Dort geschehen merkwürdige Dinge Die Geschwister sehen sich gezwungen, sich mit den Geistern ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen das ist die story der zehnteiligen TV-Serie The Haunting of Hill House (Netflix 2018). Die Kritiken der Horrorserie überschlagen sich vor Begeisterung von deren „most unforgettable horror imagery in film or television in years (Tallerico 2018) einen Eindruck davon vermittelt der Trailer (https://bit.ly/2VNV044). Deshalb lässt der Sender nicht lange mit der zweiten Staffel auf sich warten: Er kündigte an, die nächste Staffel auf Basis des Schauerromans The Turn of the Screw (Kasten 1) von Henry James zu produzieren und ab Mitte 2020 unter dem Titel The Haunting of Bly Manor auszustrahlen. Diese Ankündigung kam für viele Fans des Horrorgenres überraschend, da der Roman The Turn of the Screw bereits zu den meist verfilmten und adaptierten Horrorgeschichten gehört: Neben dem britischen Kinofilm The Innocents von 1961, nach Ansicht des Guardian einer der elf besten Horrorfilmen aller Zeiten, gibt es von The Turn of the Screw auch eine Opernadaption von Benjamin Britten (1954) sowie eine Theaterfassung mit dem Titel The Innocents (1950) von William Archibald.
1|The Turn of the Screw
1|The Turn of the Screw
Der namenlose Erzähler der Geschichte gibt eine Geistererzählung wieder, die ein gewisser Douglas am Kamin eines englischen Landhauses vorliest. Es handelt sich dabei um die Aufzeichnung einer Gouvernante, die mit der Betreuung zweier Kinder, Miles und Flora, beauftragt ist, die elternlos auf dem Landsitz Bly aufwachsen. Die Gouvernante, eine Pfarrerstochter ohne Vermögen und Heiratsaussichten, ist interessiert an dem Auftraggeber, dem Onkel und Vormund der Kinder. Sie widmet sich der Aufgabe mit großer Hingabe. Der Knabe Miles ist wegen eines nicht näher erläuterten Vergehens von einem Internat verwiesen worden. Mit der Zeit beobachtet die Erzählerin auf dem Landsitz wiederholt Geistererscheinungen, in denen sie schließlich ihre eigene Vorgängerin und einen früheren Diener zu erkennen glaubt, die beide unter nicht näher geklärten Umständen ums Leben kamen. Sie bringt in Erfahrung, dass die beiden sich offenbar nahe standen und die Kinder stark beeinflussten. Vor allem Miles orientierte sich an dem einzigen Mann im Haus, dem Hausdiener. Die Gouvernante ist überzeugt davon, dass die Kinder diese Erscheinungen ebenfalls sehen und in Kontakt mit den Geistern stehen, ihr aber nichts davon erzählen. Sie glaubt, dass die Geister immer noch einen schlechten Einfluss auf die Kinder haben. Um die Kinder vor der Bedrohung zu retten, steigert sie sich in eine zwanghafte Überwachung hinein, die schließlich in Miles Tod und einem Nervenfieber bei Flora resultiert.
Während der Entstehungszeit des Romans gab es ein großes öffentliches Interesse an Geistererscheinungen. Durch die unzuverlässige Erzählsituation mit einem Erzähler, dem von einer weiteren Person eine Geschichte vorgelesen wird, die wiederum von der (potenziell psychisch kranken) Hauptperson in der Ich-Form verfasst ist, wird nicht klar, ob die Geistererscheinungen als real angesehen werden müssen oder ob sie von der Hauptperson halluziniert werden.
The Turn of the...

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