9. – 10. Schuljahr

Alexander Hallet

The sound of fear

Musik und Ton als erzählerisches Mittel in der TV-Serie Stranger Things analysieren

Es gibt Geräusche, die uns einen Schauer über den Rücken jagen und Urängste hervorrufen: Kreischende Geigen, ein nervenzerfetzender Schrei, menschlicher Herzschlag oder der eher fühl- als hörbare Infrabass: Das Horrorfilmgenre bezieht seine Wirkung erst von seiner Musik- und Tonspur. Wie das in der TV-Serie Stranger Things funktioniert, analysieren die Lernenden und erstellen ihren eigenen Horror-Soundtrack.

Die Netflix-Serie Stranger Things (Kasten 1) inszeniert zwei verschiedene Arten der Bedrohung: Zum einen die übernatürliche Gefahr in Gestalt des Demogorgons, ein Monster, zum anderen eine natürliche in Gestalt von Wissenschaftlern und Geheimagenten, deren Motive für die Forschung an Kindern mit telekinetischen Fähigkeiten für die Zuschauer unklar bleiben. Trotz ihrer düsteren Momente ist die Serie in erster Linie für Jugendliche konzipiert. Die Figuren, allen voran die jugendlichen Protagonisten, wirken zwar sympathisch überzeichnet, aber auch authentisch und nahbar. Horror und Humor liegen hier nicht nur nah beieinander, sondern entfalten ihre Wirkung erst im Zusammenspiel. Das Grauen wird durch die Verortung im Amerika der 1980er-Jahre und die damit verbundenen popkulturellen Referenzen ironisch gebrochen.
Stranger Things
Stranger Things
In der scheinbar idyllischen Kleinstadt Hawkins in den USA der 1980er-Jahre verschwindet ein kleiner Junge, Will Byers, plötzlich und ist fortan wie vom Erdboden verschluckt. Am Rande von Hawkins liegt ein abgeschottetes Forschungs- und Geheimlabor, in dem US-Wissenschaftler an fremder Materie und einem Tor zur Upside-Down, einer dunklen Parallelwelt, forschen und mit telekinetisch begabten Kindern experimentieren. Eines dieser Kinder ist die zwölfjährige Eleven, die aus der Forschungseinrichtung entkommen kann und nun auf der Flucht vor den Agenten der Regierung ist. Schnell lernt sie auf ihrer Flucht die Gruppe um die gleichaltrigen Nerds Mike, Dustin und Lucas kennen, die sich neben Mutter Byers ebenfalls auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund Will machen. Dieser wiederum so stellt sich schnell heraus ist in der düsteren Spiegelwelt Upside-Down gefangen. Dort treibt ein Monster, der Demogorgon, sein Unwesen und tritt von Zeit zu Zeit durch das Tor in die ‚normale Welt, um Menschen aus Hawkins zu entführen und seinen Hunger zu stillen.
Musik und Soundeffekte in Stranger Things
Für die Serie charakteristisch sind die musikalischen Referenzen auf die 1980er. Der Soundtrack der ersten Staffel enthält u.a. Songs von The Clash („Should I stay or should I go), Jefferson Airplane („White rabbit), Foreigner („Waiting for a girl like you) oder Toto („Africa). Diese Pop- und Rocksongs sollen in dieser Unterrichtseinheit aber nicht im Fokus stehen, da die Auseinandersetzung mit solchen Songs und deren Einbettung in die Serie eine zu umfangreiche popkulturelle Kontextualisierung voraussetzen würde. Vielmehr sollen der Score und die Soundeffekte auf ihre Charakteristik, ihr Zusammenwirken mit der visuellen Ebene und ihre Wirkung im Kontext des Horrorfilms untersucht werden.
Die Produzenten der Serie arbeiteten mit synthesizer- und basslastiger Musik, die die Band Survive eigens für die Serie produzierte und die entscheidend zur Atmosphäre, zur Spannung und zum Setting beiträgt. Diese Musik dient dazu, Momente des Grauens und der Bedrohung zu erzeugen, zu steigern oder sie in Kontrast zur visuellen Ebene zu setzen und somit zu verfremden.
Amphibienartige Sounds für den Demogorgon und menschliche Körpergeräusche wie der genretypische Puls- und Herzschlag oder die Atmung intensivieren die Schock- und Bedrohungsmomente bei den Zuschauern. Solche diegetischen Körpergeräusche evozieren je nach Szene und Kontext körperliche Nähe, Bedrohung, Stress oder Verwundbarkeit der Figuren und der Zuschauer gleichermaßen (vgl. Hentschel...

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