5. – 13. Schuljahr

Roswitha Henseler | Birgit Meinecke

Welcome to my nightmare

Mit Horrorfilmen Hörsehverstehen schulen und Filmanalysetechniken erwerben

Die Popularität des Horrorgenres ist bei Jugendlichen ungebrochen. Durch den Gruselkonsum verarbeiten sie Fantasien, Unsicherheiten und Krisen. Die Konfrontation mit fiktionalen Monstern hilft ihnen dabei, Gefühle und Aggressionen zuzulassen und diese zu bewältigen. Wer im Englischunterricht mit Horrorfilmen arbeitet, kann sich der Aufmerksamkeit und Motivation seiner Lernenden gewiss sein und diese dazu nutzen, Sprache und Filmanalysetechniken zu erwerben sowie das Hörsehverstehen zu schulen.

Seit Mitte der 1950er-Jahre sind junge Leute zwischen Präadoleszenz und jungem Erwachsenenalter das Zielpublikum von Horrorfilmen. In dieser Zeit etablierten sich die Teenagerjahre als kulturell und wirtschaftlich bedeutsame, eigenständige Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein, der die Filmindustrie zulieferte. Doch Jugendliche sind nicht nur Publikum, sondern häufig auch Protagonisten und Protagonistinnen von Horrorfilmen und bieten so Identifikationspotenziale für das in etwa gleichaltrige Publikum. Die Identifikation funktioniert auf zwei Ebenen: Die in diesem Alter besonders von Jungen empfundene körperliche und soziale awkwardness (Evans zit. nach Grant 2010:11) erzeugt eine Empathie für das Monster, das häufig als Halbwesen oder Gestaltenwandler (z.B. Werwolf, Alien, Vampir, Insekt ...) und social outcast dargestellt wird. So bildet das Monster in extremer, teils ekelerregender Weise die vom pubertierenden Zuschauer selbst erfahrenen körperlichen Veränderungen ab. Andererseits agiert es rücksichtslos und impulsgesteuert und bietet so eine Projektionsfläche für Allmachtfantasien, aber auch die Möglichkeit des Abreagierens von Schuldgefühlen und Unsicherheiten, die für Jugendliche oft mit der erwachenden Sexualität verknüpft sind (Mayer 2000:16f.).
Kids on a mission
Leicht identifizieren lässt es sich mit denjenigen Protagonisten, die das Böse bekämpfen und schließlich die „Welt bzw. den sie umgebenden Mikrokosmos (Dorf, Kleinstadt, Schule etc.) retten. In Bestsellerautor Stephen Kings Horror-Romanen und -Verfilmungen ebenso wie in neueren Produktionen wie Stranger Things (Netflix) sind es die wegen ihres uncoolen, nicht normgerechten Äußeren, physischer Defizite und Auffälligkeiten, ihrer intellektuellen Überlegenheit oder der sozialen Außenseiterstellung gemobbten nerds, die sich als verschworene Gemeinschaft zusammenfinden. In diesem Zusammenhang werden häufig auch Gender- und Rassenaspekte thematisiert, indem die vermeintlich schwachen Opfer (z.B. das final girl, die scream queen oder auch der black hero) sich zu Kämpfern wandeln, die am Ende als Sieger und einzige Überlebende aus der Auseinandersetzung mit der bösen Macht hervorgehen. Eltern und Erziehungsberechtigte fungieren in der Welt der schlauen Kinder überwiegend als Blockaden, verhalten sich gegenüber der Bedrohung durch das Übernatürliche ignorant und stören oder verhindern den Erfolg der Mission schweißen aber andererseits die „auserwählte Gruppe noch stärker zusammen.
Coming of age horror as a rite of passage
Die Mission der jugendlichen Heldinnen und Helden ist immer auch eine Reise zum erwachsenen Ich. Körperlich und seelisch gereift gehen sie aus den überstandenen Gefahren und Prüfungen hervor und stellen die aus den Fugen geratene Weltordnung wieder her. So „bieten Horrorfilme auf diese Weise einen symbolischen Passage- oder Übergangsritus, wie ihn vorindustrielle Stammeskulturen noch am Körper ausagierten (Stiglegger 2011:9). Diese Reise erfolgt in drei Stadien: Auf die anfängliche temporäre Ausgrenzung des Initianden aus der sozialen Gemeinschaft (z.B. durch Isolation an Orten fernab der Dorfgemeinschaft) folgt die durch den Einfluss übelwollender Kräfte besonders gefährdete Zwischenphase, in der sich das Kernritual vollzieht. Dieses geht häufig mit...

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