5. – 13. Schuljahr

Karin VOgt

Eine Lerngruppenanalyse erstellen

Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist eine Analyse der Lernausgangslage, der Lernvoraussetzungen, ihrer Stärken und Schwächen gleichsam automatisch vorgesehen. Die Lerngruppe im Englischunterricht besteht aber nicht nur aus diesen Lernenden. Alle Kinder und Jugendlichen sollen nach ihren Möglichkeiten optimal gefördert werden, auch wenn die Lehrkräfte nicht für alle einen expliziten Förderplan anfertigen. Dabei ist es wesentlich, dass Lehrkräfte ihre Lernenden auch kennen, um die Lernarrangements für einen bestmöglichen Kompetenzerwerb zu adaptieren. Besonders auf den „unauffälligen Kinder und Jugendlichen sollte ein Augenmerk liegen, die nicht etwa die Aufmerksamkeit der Lehrkraft monopolisieren und dabei Gefahr laufen, schlicht übersehen zu werden. Darüber hinaus ist es besonders im kommunikativen Fremdsprachenunterricht notwendig, dass jede/r auch ausreichende Möglichkeiten zur Kommunikation erhält.
Eine Lerngruppenanalyse hilft, die besonderen Merkmale der Lernenden systematisch zu erfassen und konstruktiv in die Unterrichtsplanung mit einzubeziehen.
  • Welche besonderen Stärken und Vorlieben, welche Interessen können meine Lernenden in das Unterrichtsgeschehen mit einbringen?
  • Wie kann ich diese Stärken, die die Diversität meiner Lerngruppe ausmachen, lernförderlich nutzen für den oder die Lernenden selbst, aber auch für die gesamte Lerngruppe?
  • Wie kann ich auch mögliche Konflikte oder Probleme etwa bei der Zusammenstellung von Gruppenarbeit oder anderen kooperativen Lernformen im Vorfeld erkennen und umschiffen?
  • Welche Informationen brauche ich hierzu und wie kann ich sie effizient ermitteln und aufbereiten für meine Unterrichtspraxis?
Wie geht es?
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten einer Lerngruppenanalyse (z.B. Chilla/Vogt 2017). Hier soll eine einfache Analyse anhand von Leitfragen (Kasten 1) zu der Lerngruppe helfen, die Lerngruppenanalyse in den schulischen Alltag zu integrieren. Erfahrene Lehrkräfte arbeiten wahrscheinlich ohnehin so und können lediglich ihre Eindrücke durch die Analyse systematisieren. Auch können die Leitfragen beliebig abgewandelt oder erweitert und auf den jeweiligen Kontext angepasst werden.
1|Leitfragen für die Lerngruppenanalyse
1|Leitfragen für die Lerngruppenanalyse
  • Aus welchem kognitiven Entwicklungsstand bewegen sich die Lernenden (im Sinne von Piagets Entwicklungsstufen von sinnlich-konkretem Erfassen zu formal-logischem Denken. Das ist besonders wichtig z.B. für den sonderpädagogischen Förderbedarf geistige Entwicklung)
  • Wie lässt sich das Kompetenzprofil der Lernenden in Englisch beschreiben? (z.B. stark in den rezeptiven Kompetenzen wie Lesen (B1), aber weniger ausgeprägt in Schreiben (GeR-Niveau A1/A2)
  • Welche weiteren Sprachlernerfahrungen liegen vor? Ist Englisch die zweite, dritte etc. Fremdsprache?
  • Wie hoch ist die Motivation zum Lernen bzw. Englischlernen?
  • Welche inhaltlichen/thematischen Interessen haben die Lernenden? Welche „Expertise gibt es in der Lerngruppe?
  • Welche Präferenzen haben die Lernenden in Bezug auf den Lernweg (z.B. Lerneingangskanäle)?
  • Welche Methoden (z.B. kooperative Lernarrangements, Lerntempoduett) bevorzugen sie?
  • Welche Sozialformen bevorzugen sie?
  • Wie sehen die sozialen Beziehungen in der Lerngruppe aus? Wer lernt (nicht) gern/effektiv mit wem?
Und was mache ich damit?
Die Lerngruppenanalyse und ihre Ergebnisse kann zum einen zum allgemeinen classroom management verwendet werden und zum anderen methodischen und inhaltliche Entscheidungen im Unterrichtsgang im Englischunterricht beeinflussen. Sie können sowohl bezogen auf die gesamte Lerngruppe als auch bezogen auf einzelne Lernende verwendet werden. Kasten 2 gibt einige Beispiele.
Wenn man das Ergebnis der Lerngruppenanalyse anwendet auf eine konkrete Unterrichtssituation, wird deutlich, dass nicht zwingend dabei für alle und jeden ein separates...

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