5. – 10. Schuljahr

Inklusion am Gymnasium

Organisation, Erfahrungen und Schulentwicklung vorgestellt von Jan Springob

Im Juni 2016 erhält das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim den Jakob Muth-Preis für inklusive Schule als erstes Gymnasium bundesweit. Mittlerweile hat die erste Lerngruppe im Gemeinsamen Lernen die Sekundarstufe I abgeschlossen. Ihr ehemaliger Klassen- und Englischlehrer Jan Springob berichtet von den Erfahrungen und der Organisation von Inklusion an dieser Schulform und den Anstößen für die Schulentwicklung, die davon ausgehen.

Die Schulform, die im selektiven Schulsystem am stärksten zum „Aussieben neigt, nimmt nun auch sogenannte zieldifferent geförderte Schülerinnen und Schüler auf. Diese erhalten keine Noten und werden nach den Lehrplänen der Förderschule Lernen bzw. Geistige Entwicklung unterrichtet. Ihr schulisches Ziel ist maximal der Hauptschulabschluss. Im Juli 2018 hat bei uns die erste Lerngruppe im Gemeinsamen Lernen 2013 als 5. Klasse gestartet die Sekundarstufe I abgeschlossen. Die ersten fünf Jahre als „inklusives Gymnasium sind vorüber Zeit für ein erstes Fazit. Was lief gut, welche Herausforderungen müssen noch bewältigt, welche Stolpersteine noch überwunden werden?
Unsere Schule
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium ist eine sechs- bis siebenzügige Schule in Pulheim bei Köln. Derzeit besuchen ca. 1.550 Jugendliche die Schule, davon 31 mit attestiertem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf in den Förderschwerpunkten körperlich-motorische, sozial-emotionale und geistige Entwicklung, Hören/Kommunikation, Sehen sowie im Förderschwerpunkt Lernen (Stand: Februar 2017). Die Übergangsquote von der Grundschule zum Gymnasium ist mit über 50% überdurchschnittlich hoch. Die Schülerschaft lässt sich weitgehend der bürgerlichen Mittelschicht zuordnen. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist mit ca. 12% relativ gering.
Es gibt inzwischen pro Jahrgang eine Lerngruppe im Gemeinsamen Lernen mit jeweils fünf bis sechs Lernenden mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf eine bewusste Entscheidung der Schule, um Ressourcen in den jeweiligen Klassen zu bündeln, selbst wenn dies (noch) keine Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention ist. Natürlich gäbe es noch andere (organisatorische) Möglichkeiten, schulische Inklusion umzusetzen, zum Beispiel indem man die Lernenden mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf auf alle Lerngruppen einer Jahrgangsstufe verteilt.
Gesonderte Inklusionsklassen
Die Konzentration auf eine Inklusionsklasse hat jedoch viele Vorteile: Diese Klasse ist mit 22 bis 24 Lernenden kleiner als die Parallelklassen. Bei der Zusammensetzung der Klassen wird von der Schulleitung, der Unterstufenkoordination und dem Beratungsteam genau darauf geachtet, dass es sich bei allen Lerngruppen einer Jahrgangsstufe um möglichst heterogene Lerngruppen handelt soweit das im Vorfeld realisierbar ist , die jeweils die unterschiedlichsten Heterogenitätsdimensionen vereinen.
In möglichst vielen Fächern unterrichten zwei Lehrkräfte gemeinsam, unterstützt von einer Sonderpädagogin. Die Lehrkräfte verschaffen sich gegenseitig Zeit und Raum, alle Lernenden noch gezielter zu fördern und zu fordern. Im Englischunterricht arbeiten zwei Englischlehrkräfte zusammen, um eine möglichst hohe fremdsprachliche Expertise zu nutzen. Die Sonderpädagogin steht den Fachkollegen beratend und unterstützend zur Seite.
Ein zusätzlicher Raum für jede Klasse im Gemeinsamen Lernen schafft die räumlichen Rahmenbedingungen für differenzierenden und individualisierten Unterricht. Der Englischunterricht wird in ganz unterschiedlichen Sozial- und Arbeitsformen realisiert, abhängig von u.a. dem behandelten Thema oder der zu schulenden Fertigkeit. So arbeiten die Lernenden immer wieder alle gemeinsam in einem Klassenraum. In bestimmten Phasen werden die Lernenden in möglichst leistungshomogene oder leistungsheterogene Gruppen aufgeteilt. Über die...

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