5. – 13. Schuljahr

Karin Vogt

No child left behind

Individuelle Förderung im inklusiven Englischunterricht

Heterogene Lerngruppen sind nicht Neues die Lernvoraussetzungen, Neigungen und Kompetenzstände unterschieden sich schon immer von Lernendem zu Lernendem. Doch seit der UN-Behindertenrechtskonvention lernen auch Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf an allgemeinbildenden Schulen eine Herausforderung für Lernende, Lehrkräfte und die Schule als System. An best practice-Beipielen zeigt sich, wie die Aufgabenorientierung und das Lernen am Gemeinsamen Gegenstand als Klammer dienen können, die verschiedene Bedürfnisse bestmöglich berücksichtigt.

Frau Wagner übernimmt eine 6.Klasse in Englisch an einer integrierten Gesamtschule. Wie immer macht sie sich bei ihrer Kollegin kundig, die die Klasse zuvor in Englisch unterrichtete. Wie immer ist ihre neue Lerngruppe bunt gemischt mit Kindern mit unterschiedlichen Muttersprachen, verschiedenen sozialen und familiären Hintergründen einschließlich Problemlagen, differenten Interessen, Vorlieben, Vorkenntnissen und Lernständen in der Fremdsprache. Hinzu kommen zwei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Laila hat einen Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen und Noah hat einen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Frau Wagner soll für ihr Fach Förderpläne für die beiden schreiben und umsetzen. Wie genau sie das tun soll, weiß sie nicht.
Best practice-Modelle der Inklusion
Heterogene Lerngruppen sind nicht Neues die Lernvoraussetzungen, Neigungen, Lernpräferenzen und Kompetenzstände unterschieden sich schon immer von Lernendem zu Lernendem. In der jüngsten Vergangenheit vergrößerte sich die Diversität als Folge der UN-Behindertenrechtskonvention von 2009. Diese Konvention bedeutet für das Bildungswesen in Deutschland, dass grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen in allgemeinen Schulen beschult werden können, wenn sie dies wünschen auch solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Um diese Gruppe soll es in diesem Themenheft gehen, wobei sonderpädagogischer Förderbedarf (Kasten 1) nur eine Dimension von Heterogenität unter vielen ist, jedoch eine, die eine Herausforderung darstellt für alle am Bildungsprozess Beteiligten und Lehrkräfte im Besonderen. Inklusion als gemeinsame Beschulung von allen Kindern und Jugendlichen ist eine Schulentwicklungsaufgabe, die die gesamte Schule als System betrifft (s. Boban, Grossrieder/Hinz 2013 für den Index für Inklusion für Bildung; Springob 2017 und s. Artikel Springob). Und sie ist eine sehr kontextspezifische Aufgabe, denn je nach sonderpädagogischem Förderbedarf, schulischen Gegebenheiten und Zielen der sonderpädagogischen Förderung sind die Anforderungen räumlicher, personeller, materieller Art etc. unterschiedlich und müssen entsprechend angepasst werden. Vielerorts lassen die Rahmenbedingungen noch sehr zu wünschen übrig. Inhaltlich greifen allgemeine Rezepte zur „Durchführung von Inklusion im Englischunterricht ebenso wenig, da es sie nicht gibt.
1|Was versteht man unter sonderpädagogischem Förderbedarf?
1|Was versteht man unter sonderpädagogischem Förderbedarf?
Die KMK (1994:5) stellt zu sonderpädagogischem Förderbedarf fest: „Sonderpädagogischer Förderbedarf ist bei Kindern und Jugendlichen anzunehmen, die in ihren Bildungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten so beeinträchtigt sind, dass sie im Unterricht der allgemeinen Schule ohne sonderpädagogische Unterstützung nicht hinreichend gefördert werden können.
Förderschwerpunkt Lernen
Diese heterogene Gruppe macht den größten Anteil der Lernenden mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen aus (KMK 2016). Sie werden in der Regel zieldifferent, d.h. nach dem Lehrplan der Förder- bzw. Sonderschule unterrichtet. Sie können beeinträchtigt sein in Kognition, Lern- und Arbeitsverhalten, Wahrnehmung, Sprache, Kommunikation, Grob- und Feinmotorik oder Sozialverhalten bzw. Emotionen. Zur Förderung dieser...

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