9. – 10. Schuljahr

Lotta König

Looking for stories of finding refuge

Mit Interviews Migrationsgeschichten im eigenen Umfeld erforschen

Flucht ist kein neues gesellschaftliches Phänomen. Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte finden sich in jedem Klassenzimmer oder im Bekanntenkreis der Lernenden. Sie sind schon lange da und gehören längst dazu, oder sind gerade erst angekommen und alles ist noch neu. Um diese viefältigen Geschichten sichtbar zu machen, führen die Lernenden Interviews und präsentieren die Geschichten vom Ankommen in Porträts.

Kinder und Jugendliche mit persönlicher oder familiärer Flucht- oder Migrationsgeschichte oder mit entsprechenden Erfahrungen im Freundeskreis sitzen in vielen Klassenzimmern: Die Eltern, die aus politischen Gründen aus der Türkei gekommen sind; die (Ur-)Großeltern, die aus Ostpreußen stammen; die Nachbarin, die in den 1980ern die innerdeutsche Grenze überquerte; der Mitschüler, der in Eritrea eingeschult wurde und nun in die Parallelklasse geht; Freundinnen, die hier aufgewachsen, aber woanders geboren sind sie alle sind irgendwann im Umfeld der Schülerinnen und Schüler angekommen. Dies mag kürzlich geschehen sein oder bereits lange zurückliegen, allen bewusst oder gar nicht (mehr) sichtbar sein. Es lohnt sich, diese Geschichten ausfindig zu machen, um festzustellen, wie viele und vielfältige Fluchtgeschichten Bestandteil aktueller gesellschaftlicher Normalität sind. Gespräche bzw. Interviews können diese Vielfalt zum Vorschein bringen.
Die Voraussetzung ist, dass diese Personen ihre Geschichten auch teilen wollen. Nicht erst seit #metwo (dem Hashtag, bei dem in Anlehnung an #metoo Geschichten des Alltagsrassismus bei Twitter geteilt werden) ist klar, dass es auch als rassistisch empfunden werden kann, immer wieder danach gefragt zu werden, woher man denn wirklich kommt. Auch soll niemand auf eine Identität als ‚Flüchtling festgeschrieben werden. Daher soll es in den Interviews nicht nur um die Fluchthintergründe, sondern auch um das Ankommen und das Leben heute gehen. Durch historisch, politisch und kulturell verschiedene Geschichten lässt sich der Begriff ‚Flüchtling als verbreitete Erfahrung, nicht als ‚andere Identität begreifen. Im Vergleich der verschiedenen Interviews kann deutlich werden, dass das eigene Umfeld kein homogener Ort ist, an den jetzt auf einmal Geflüchtete kommen. Vielmehr ist diese Gemeinschaft, wie sie ist, längst geprägt durch alle, die irgendwann mal dort angekommen sind.
Komplexe Kompetenzaufgabe
Looking stories of finding refuge ist forschendes Lernen, das im Englischunterricht initiiert wird und zugleich tatsächliche und relevante Erkenntnisse über die (mehrsprachige) Lebenswelt der Lernenden generiert. In einer komplexen Kompetenzaufgabe (vgl. Hallet 2012) werden dabei Problemlösungsprozesse und interaktionale ebenso wie sprachlich-diskursive Kompetenzen (Lesen, Sprechen, Sprachmittlung, Hören und Schreiben integriert) gefordert und gefördert. Zur Strukturierung dient dabei worksheet 1 , auf dem das Ziel, generische Modelle und mögliche Arbeitsschritte genannt werden. Als weiteres scaffolding, das bei Bedarf für die Vorbereitung der Interviews genutzt werden kann, dient worksheet 2.
Einen globalen Diskurs sprachmitteln
Indem sie die Flucht- und Ankommensgeschichten in ihrem Umfeld erforschen, schulen die Lernenden ihre fremdsprachige Diskursfähigkeit und Teilhabe an dem globalen Diskurs zu refugees. In vielen Fällen werden sie dabei zu sprachlichen und kulturellen Mittelnden, denn dieser Diskurs und somit auch die Interviews sind notwendigerweise mehrsprachig: Deutsch und andere Herkunftssprachen der Lernenden können in den Interviews ebenso zum Einsatz kommen wie Englisch oder leichtes Deutsch mit nonverbalen Kommunikationsmitteln in Interviews mit kürzlich Geflüchteten, die Deutsch gerade als Fremdsprache lernen. Die Produkte jedoch sollen in der lingua franca Englisch und öffentlich dargestellt werden, um so...

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