8. – 8. Schuljahr

Katharina Strobel

Someone like me

Eine Ausstellung über den Alltag von Kindern und Jugendlichen in Flüchtlingslagern gestalten

Der Weg in eine bessere Zukunft endet für viele Geflüchtete in einem Flüchtlingslager: Von einer Übergangslösung wird die Unterkunft zu einem dauerhaften Aufenthaltsort. Doch wie lebt es sich in diesem Nirgendwo? Das erkunden die Lernenden anhand von Fotos, die Gleichaltrige in Flüchtlingslagern aufgenommen haben, und per Internet-Recherche. Sie stellen Vergleiche zu ihrem eigenen Alltag an und präsentieren ihre Eindrücke in einer Poster-Ausstellung.

Weltweit stranden Millionen von Menschen in Flüchtlingslagern. Sie leben dort in der Hoffnung, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren oder aber an einem neuen, sicheren Ort eine bessere Zukunft beginnen zu können. Doch statt einer temporären Situation wird für viele von ihnen das Leben in Flüchtlingslagern zur Normalität. So befanden sich nach Angaben des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen im Jahr 2017 ca. 13,4 Millionen Geflüchtete in sogenannten Langzeitsituationen: Sie lebten seit fünf oder mehr Jahren im Exil (UNHCR 2017:22).
Fotos aus Flüchtlingslagern
Im Jahr 2013 startete der französisch-iranische Fotojournalist Reza Deghati im Flüchtlingslager Kawergosk im Irak einen Foto-Workshop für dort lebende 12-15-jährige Kinder und Jugendliche. Er stellte ihnen Kameras zur Verfügung, mit denen sie ihren Alltag im Flüchtlingslager dokumentieren sollten: „This is the story of refugees, told by those who live it, the refugees. For more than two decades, I have worked to empower people in vulnerable situations by training them to tell their own stories. sagt Reza über sein Projekt. Im Unterschied zu den üblicherweise in Medien gezeigten Bildern bieten diese Fotos einen intimen Einblick in das Alltagsleben in Flüchtlingslagern aus der Perspektive der Betroffenen selbst. Sie verdeutlichen nicht nur die Herausforderungen dort, sondern zeigen auch Situationen, die die Lernenden wahrscheinlich aus ihrem eigenen Alltag kennen: gedeckte Tische, Wäscheleinen, schlafende Kinder mit Kuscheltieren im Arm, Schulbücher, spielende, lesende oder schreibende Kinder. Deshalb eignen sich die Fotos, um Alltagserfahrungen geflüchteter Jugendlicher in Flüchtlingslagern kennenzulernen und zu reflektieren und diese mit dem eigenen Alltag in Beziehung zu setzen.
Global education
Die Unterrichtseinheit nutzt den Ansatz der global education (vgl. Cates 2004:241) und ermöglicht es den Lernenden,
  • sich über ein global bedeutsames Thema zu informieren (knowledge)
  • es aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten (skills)
  • Empathie zu entwickeln (attitudes)
  • sowie als global citizen (vgl. Cates 2002: 44) selbst in Aktion zu treten,
  • indem sie mit einer Poster-Ausstellung einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs leisten (action).
Zentral für das globale Lernen ist es, globale Prozesse aus der Perspektive anderer betrachten sowie die Ähnlichkeit der Bedürfnisse anderer zu den eigenen begreifen zu können: „Global education also involves learning [] to realize that other people of the world need and want much the same things. (Tye 1991:5). Wenn die Lernenden bei der Betrachtung der Fotos der geflüchteteten Jugendlichen auf ihnen vertraute Alltagssituationen stoßen und die Fotos mit ihren eigenen vergleichen, entdecken sie Gemeinsamkeiten zwischen ihren eigenen und den Bedürfnissen der geflüchteteten Jugendlichen. So können sie die Gleichaltrigen als „someone like me begreifen. Darüber hinaus bieten sowohl die Fotos aus Deghatis Projekt als auch die für die Rechercheaufgabe vorgegebenen Websites einen privaten Einblick in deren Lebenssituation, der Empathie mit den Betroffenen aufzubauen hilft.
Daily life in pictures
Am Anfang steht die Auseinandersetzung mit den eigenen Alltagserfahrungen. Hierzu dokumentieren die Lerner in einer vorbereitenden Hausaufgabe ihren eigenen Alltag in drei Fotos. Diese stellen sie im Unterricht einem Partner...

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